Sie befinden sich auf der Seite: Kultur & Wissenschaft

Werk von Markus A. Huber © Landesgalerie Burgenland

"locus iste"

Ausgehend von Anton Bruckner Choral „locus iste“, einem vierstimmigen gemischten Chor a capella in C-Dur aus dem Jahre 1869 entwickelt Markus A. Huber eine sensible Bilderserie. Er seziert - der Künstler ist auch ausgebildeter Chirurg - sozusagen in einem dicht strukturierten Geflecht aus Tusche, Kohle, Graphit, Kreide und, Pigment persönliche Empfindungen und Eindrücke seiner direkten musikalischen Erlebnisse auf Leinwand, die dem interessierten Betrachter Anton Bruckners Choralmusik im Bild authentisch und unmittelbar nachfühlbar erleben und wiedererstehen lassen. Es sind die inneren Zustände, die mich anziehen und faszinieren, stellt Markus A. Huber zu seinen Kunstwerken philosophisch fest, das Geträumte und Unsichtbare, die große Kraft, die das Weltenrad antreibt und bewegt. Die Knäuel von Strichen und Linien ziehen sie nach diesen Kraftwirkungen und verfolgen die Bewegungen der Moleküle und Elementarteilchen auf ihren Beziehungsbahnen. Die Leinwand ist das abgeschlossene System, die Zeichnung ist die visualisierte Entropie - ein Maß für die Anzahl innerer Zustände, die ein geschlossenes System annehmen kann, ohne dass sich die äußeren Zustände ändern - in diesem System. Die Striche machen die Molekülsysteme in Bewegung sichtbar, dehnen sich aus zu Geflechten und bilden Gewebe unterschiedlicher Form und Dichte. Gewebe, die übereinander gelagert Beziehungen eingehen und auflösen, Formen bilden und wieder vernichten. Schicht auf Schicht, Strichebene auf Strichebene bauen sich die Komplexitäten auf. Ganz auf das externe Geschehen gerichtet, voll von Expression und Ausdruckswillen. Ein theatralisches Gezeter unterschiedlicher Standpunkte. In ihrer Gesamtheit den Grundrhythmus des Seins schlagend, autonom und unabhängig von meinen Beweggründen und Beziehungen, ein eigener Kosmos mit seinen Gesetzen und Ordnungen. Dahinter die konzentrierte Stille, die ewige Leere, die die Fülle gebiert und in das Leben generiert.
Die Attraktion des Zeichnens liegt für mich – so der Künstler abschließend - paradoxerweise im Ungenannten, nicht in Begriffen Kommunizierbaren, im scheinbar Chaotischen.